"Ernährung ist genauso wichtig wie Training!"

Interview mit Dortmunds wichtigstem Energielieferanten: Mannschaftskoch Dennis Rother

Heute ist Matchday in der Champions League. Wann, wie viel und wie oft sollte man vor dem Wettkampf essen, um bestmöglich davon zu profitieren?

Anstoß ist abends um 21 Uhr, also sind neben dem Frühstück vor allem das Mittagessen und ein kleiner Pre-Match-Snack wichtig.

Fangen wir mit dem Mittagessen an: Was kochst du für die BVB-Profis? 

Ich koche eine Auswahl, bei der für jeden Spieler etwas dabei ist: Fisch, Fleisch, Geflügel, Nudeln, Kartoffeln, Reis und Gemüse. Zum Einstieg gibt es meistens eine Suppe, das öffnet den Magen. Bei dieser Mahlzeit nach dem Training ist besonders wichtig, dass die Spieler genügend Kohlenhydrate zu sich nehmen und die stecken in verschiedenen Lebensmitteln.

 

Und wie sieht der Pre-Match-Snack aus?

Den gibt es immer 3,5 Stunden vor dem Anpfiff. Es sind vor allem leichte Gerichte, um die Speicher noch einmal aufzufüllen: Kartoffelpüree, gegrilltes Hähnchen, Brokkoli und Möhren, Nudeln und Tomatensoße. Ein sehr guter Snack wäre auch ein Körnerbrot mit Avocado und Banane, weil die Kombination aus Zucker und Magnesium in der Banane mit den Fetten der Avocado ein perfekter Energielieferant ist.

Gutes Stichwort: Was sind deine 09 gesündesten Energielieferanten – bitte zähle einmal auf!

In ungeordneter Reihenfolge: Banane, Datteln, Reis, Kartoffeln, Nudeln, Süßkartoffeln, Kürbis, Smoothies und Müsli.

Warum sind diese Lebensmittel besonders gut vor dem Training oder Wettkampf geeignet?

Bananen und Datteln sind die perfekten Snacks, teilweise sogar während des Sports. Bei Datteln allerdings aufpassen und anfangs nicht mehr als zwei essen. Wenn man nicht gerade Marokkaner wie Achraf Hakimi ist und das seit Kindheit gewohnt ist, schlagen sie schnell auf den Magen. Auf jeden Fall enthalten beide viel Fruchtzucker, der dem Körper direkt zur Verfügung steht. Außerdem muss man nicht so viel kauen.

Warum ist das wichtig?

An einem Apfel beispielsweise isst man viel länger als an einer Banane. Wenn man viel kaut, denkt der Darm er muss arbeiten und der Körper sendet Blut in den Verdauungstrakt, das wir aber dringender in den Muskeln benötigen. 

Gibt es Unterschiede zwischen den anderen Energielieferanten Reis, Nudeln, Kartoffeln, Süßkartoffeln und Co.?

Alle enthalten viele Kohlenhydrate, das haben sie gemeinsam. Beim BVB essen mittlerweile zwei Drittel der Spieler lieber Kartoffelpüree als Nudeln, was ich nur begrüßen kann. Kartoffeln sind basisch, was für den Körper leichter zu verarbeiten ist. Gerade bei Sportlern sind die Muskeln durch die hohe Belastung eh schon übersäuert, da sollte die Nahrung mit einem hohen pH-Wert sie nicht noch zusätzlich belasten. Heute haben mir die Spieler übrigens wieder die Süßkartoffeln aus den Händen gerissen.

Haben einzelne Spieler Extrawünsche? Welche?

Wir erstellen immer ein Buffet, sodass jeder Spieler sich nehmen kann, worauf er Lust hat. Natürlich beachten wir dabei auch ethnische Gruppen. So ist zum Beispiel immer ein Gericht halal. Und unsere Spieler aus dem spanischen und portugiesischen Raum wollen eigentlich immer Hähnchenfleisch haben (schmunzelt).

 

 

Wer isst immer auf? Wer kriegt vor dem Spiel nichts runter?

Das hängt immer damit zusammen, was für ein Spiel ansteht. Wenn sie aufgeregt sind, dann essen sie tatsächlich weniger. Das ist aber halb so wild, weil sie in der Halbzeit sowieso noch einmal eine Energiezufuhr bekommen.

Was gibst du den BVB-Spielern als Energieschub während des Spiels bzw. in der Halbzeitpause?

Gute Frage. Die Kohlenhydratspeicher befinden sich in den Muskeln und obwohl die Fußballer gut austrainiert sind, große Muskeln und somit auch große Speicher haben, reicht das nicht für 90 Minuten Belastung auf allerhöchstem Niveau. Daher bekommen sie von uns in der Halbzeit eine Kohlenhydratzufuhr in Form von flüssigen Nahrungsergänzungsmitteln. Sie sollen absichtlich nur trinken, denn wenn sie etwas essen, muss das verdaut werden. Das würde wiederum dazu führen, dass das Blut vermehrt im Magen-Darm-Trakt benötigt wird und weniger für die Muskeln zur Verfügung steht. Das gilt allerdings nur für absolute Spitzensportler. Freizeitsportler können in der Halbzeit ruhig eine Banane oder ähnliches essen.

Was kann ich kurzfristig essen, wenn ich weiß, dass ich kaum noch Zeit für die Zubereitung einer vernünftigen Mahlzeit habe?

Wenn man schon die Zeit aufbringt Sport zu machen, dann sollte man sich auch die Zeit zum Kochen nehmen. Zur Not lieber nur zwei statt drei Stunden trainieren und dafür ein gesundes Essen vorbereiten. Eine gute Möglichkeit ist, sich morgens schon einen Smoothie als Snack vor dem Sport zu mixen und danach noch einmal richtig zu essen. Denn eins muss ich ganz klar sagen: Ernährung ist genauso wichtig wie Training!

 

Noch mehr Infos zum Thema Ernährung

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