Beweglichkeit – der Außenseiter hinter Kraft und Schnelligkeit?

Wir hoffen, ihr habt euch die Tipps zur Regeneration zu Herzen genommen und seid dementsprechend fit und bereit für die nächste Trainingseinheit. Nun kommen wir zur Spezialdisziplin von filigranen BVB-Spielern wie Jadon Sancho, Mario Götze & Co.: der Beweglichkeit.

Doch zunächst: warum ist Beweglichkeit wichtig für einen Fußballer?

Das hat vor allem anatomische Gründe. Euch ist mit Sicherheit schon selbst aufgefallen: je weiter man sich dehnt, desto größer wird der Widerstand des jeweiligen Muskels und Bindegewebes. Das Bein aus dem Stand um 45° anzuheben erfordert bei weitem nicht so viel Kraft, wie es von 45° aus in die Waagrechte zu bringen. Ist ein Sportler weniger beweglich, ist dieser Dehnungswiderstand insgesamt noch höher. Er muss mehr Kraft als ein beweglicherer Spieler aufwenden, um in dieselbe Position zu gelangen bzw. kann mit demselben Kraftaufwand beispielsweise nur eine geringere Ausholbewegung durchführen. Im Falle der hinteren Oberschenkelmuskulatur bedeutet das konkret: ein beweglicher Spieler sprintet schneller, springt höher, schießt fester und wechselt schneller die Richtung als ein Spieler mit den gleichen körperlichen Voraussetzungen, der weniger beweglich ist.

Warum sind Spieler wie Mario Götze beweglicher als andere? Liegt das an der Veranlagung oder an hartem Training?

Unsere Gene haben einen Einfluss auf unseren Körperbau und die Beweglichkeit.
Stärker wirkt sich aber zu einseitiges Training darauf aus. Wenn man intensiv mit hohen und schnellen Krafteinsätzen trainiert und dabei die Beweglichkeit vernachlässigt, verkürzt sich die Muskulatur und die Beweglichkeit wird eingeschränkt. Durch Beweglichkeitstraining und gezieltes Krafttraining kann dies wieder ausgeglichen werden.

Beweglichkeit vs. Kraft – kann man beides haben und wie findet man die richtige Balance?

Um diese Frage zu beantworten, lohnt sich ein Blick auf andere Sportarten. Wer schon mal BVB-Handballtorfrau Clara Woltering in Aktion gesehen hat, weiß, dass ihre gute Beweglichkeit sie nicht an schnellkräftigen Aktionen hindert. Auch in den Kampfsportarten lässt sich erkennen, dass sich eine gute Beweglichkeit und gute Kraftfähigkeiten nicht gegenseitig ausschließen. Negative Auswirkungen sind eigentlich erst bei außergewöhnlich hohen Anforderungen an die Beweglichkeit zu erwarten. So benötigen etwa rhythmische Sportgymnastinnen eine extreme Beweglichkeit, die durch ein Krafttraining negativ beeinträchtigt werden könnte.

Im Fußball besteht nur eine geringe Wahrscheinlichkeit, dass sich hohe Beweglichkeit negativ auf die Kraft auswirkt. Im Gegenteil: es ist erforderlich, die Beweglichkeit zu verbessern, um die Kraftfähigkeit effektiver einsetzen zu können. Beweglichkeit, Kraft und Koordination gelten als Voraussetzung, um Bewegungen angemessen und sicher ausführen zu können. Für einen Fußballer ist dabei nicht die passive Beweglichkeit (wie weit ich mit Unterstützung eines Partners in eine Position komme) sondern die aktive Beweglichkeit (welche Position ich ohne Unterstützung erreichen kann) entscheidend.
 

Wie verbessern die BVB-Stars ihre Beweglichkeit?

Damit die Stars an ihren individuellen Schwächen arbeiten können, kommt u.a. der sogenannte ‚Functional Movement Screen‘ zum Einsatz. Dabei handelt es sich um ein Testverfahren aus den USA, bei dem anhand von sieben Übungen Aussagen über die Bewegungsqualität getroffen werden, also wie gut die Übungen ausgeführt werden und ob Abweichungen und Ausgleichsbewegungen erkennbar sind. Basierend auf diesen Ergebnissen können dann korrigierende Übungen zusammengestellt werden.

 

Ihr seht, nur im Fitnessstudio pumpen, bringt euch auf Dauer nicht ans Ziel. Auch andere Fähigkeiten sind wichtig, um einen guten Fußballer abzugeben. Von daher lohnt es sich auch als Hobbysportler, sich ein Beispiel an Mario Götze & Co. zu nehmen und das Beweglichkeitstraining als Bestandteil des Trainings ernst zu nehmen.

Weitere Informationen findet ihr im Gesundheitsratgeber der IKK classic