Technisch stark trotz Erschöpfung

Was tun die Profis von Borussia Dortmund gegen physische und mentale Ermüdung und wie können sie ihre Technik auch am Ende des Spiels auf höchstem Niveau halten?

Es läuft die Nachspielzeit. Mehr als 90 Minuten und über zehn Kilometer Laufstrecke stecken in den Beinen. Letzte Chance. Noch einen Antritt, noch ein Dribbling, einmal noch den Gegner ausspielen, einmal noch den Pass zum Mitspieler bringen, ein letzter Schuss. 

Dass die BVB-Profis auch bis zur letzten Sekunde powern und fighten können, sollte spätestens seit dem legendären Champions-League-Comeback gegen Malaga im Jahr 2013 jeder wissen.

Oft sind es Kleinigkeiten, die in spielentscheidenden Situationen den Unterschied machen. Damit wie damals Marco Reus, Felipe Santana und Co. auch im erschöpften Zustand noch eine saubere Technik haben, müssen sie vorab im Training hart arbeiten. Und sich ihre Kraft während des Spiels gut einteilen. Ermüdungsresistenz ist das Schlagwort.

 

Wie kann man sich auf dem Platz kurzfristig regenerieren, um Kraft für die nächste Aktion zu tanken?

Ein intensives Fußballspiel ist sowohl physisch als auch mental anstrengend. Wie stark ein Spieler ermüdet, hängt von seinem Trainingszustand ab, also wie gut seine konditionellen, technischen und taktischen Fähigkeiten und Fertigkeiten ausgeprägt sind.

Eine gute Grundlagenausdauer sorgt dafür, dass die physische Ermüdung später eintritt und der Körper sich nach kurzen intensiven Belastungen schneller erholt. Spieler mit einer guten Grundlagenausdauer können ihre Reaktions- und Handlungsschnelligkeit länger auf einem hohen Niveau halten und machen auch gegen Spielende weniger technische und taktische Fehler. Zudem ist ihre psychische Belastbarkeit meist höher. 

Während des Spiels kann man nach kurzen intensiven Sprints durch Trab- oder Gehpausen 
kurzfristig teilweise regenerieren. Das funktioniert aber nicht unendlich. Wiederholt sich die intensive Belastung, steigt automatisch auch die Ermüdung an, da die kurzen Pausen nicht zu einer vollständigen Erholung führen. Je länger eine hohe Spielintensität mit langen Sprints ohne Pausen aufrechterhalten werden muss, desto schneller ermüdet der Körper. Wie bei Fifa, wenn ihr die Sprinttaste ununterbrochen gedrückt haltet. Ist der Körper dann stark ermüdet, helfen kurze Pausen oder Atemtechniken wenig.

 

Die Kunst ist vielmehr, die Belastung über den Spielverlauf so zu gestalten, dass die Ermüdung möglichst spät eintritt. Untersuchungen in den Topligen zeigen, dass sich auch bei Spitzenspielern besonders intensive Spielphasen mit Phasen mit niedrigerer Beanspruchung abwechseln. 

Also nicht wundern, falls eure Lieblingsspieler im Signal Iduna Park mal einen Gang runterschalten – sie denken bereits an den Sprint in der Schlussphase. ;)

Gibt es mentale Tricks um die Erschöpfung auszublenden?

Auch die mentale Ermüdung führt zu einer Einbuße der fußballerischen Leistung. Sie wirkt sich vor allem auf technische Fertigkeiten wie Passen, Schießen oder Dribbling sowie auf das Treffen der richtigen Entscheidungen im Spiel aus. Bislang ist jedoch wenig erforscht, mit welchen Strategien sich mentale Ermüdung im Spielverlauf beeinflussen lässt.

 

Klar ist jedoch, dass es sinnvoll ist, möglichst frisch und mental ausgeruht in das Spiel zu starten. Zum Beispiel können zu wenig Schlaf oder ungewohnte und kognitiv beanspruchenden Aktivitäten vor dem Spiel zu kognitiver (Vor-)Ermüdung führen, auch Computerspielen oder auch Social Media sollten direkt vor dem Spiel vermieden werden. 

Durch welches Training kann man die Ermüdungsresistenz erhöhen?

Generell gilt: Je fitter ein Spieler ist, desto höher ist seine Ermüdungsresistenz. 

Um die Bewegungsfertigkeiten wie Passen oder Finten bei Dribbling zu stabilisieren, sollten diese auch unter ermüdeten Bedingungen, zum Beispiel nach einer konditionellen Vorbelastung, trainiert werden. Also erst auspowern, dann Passen und Dribbeln üben. Damit werden Automatismen entwickelt, die im Spiel dann auch unter Ermüdung abgerufen werden können. 

Andere Ansätze gehen davon aus, dass sich durch spezielle Trainingsformen auch das Gehirn so trainieren lässt, dass es weniger schnell ermüdet. Beim Brain Endurance Training werden beispielsweise intensive Spielformen auf dem Kleinfeld mit anspruchsvollen kognitiven Aufgaben kombiniert, um die mentale Ermüdungsresistenz zu verbessern.